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Carbonprodukte, Aluminiumforschung & Vibrocore - Spank Gründer Gavin Vos im Interview

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Noch nicht lange ist es her, dass wir ein tolles Wochenende auf dem iXS Dirt Masters Festival im Bikepark Winterberg verbracht haben. Neben viel Spaß und jeder Menge Race-Action konnten wir dort viele spannende Menschen treffen.
Unser besonderes Highlight war ein Treffen mit SPANK-Besitzer Gavin Vos. Wann hat man schonmal die Chance, ungefilterte Informationen vom Boss der Company zu bekommen, deren Produkte wir in unserem Onlineshop verkaufen? Klar kennen wir alle Facts, alle Gewichte, alle Farben und die Preise, aber hast du dich schonmal gefragt, warum es nicht ein einziges Carbonprodukt von Spank gibt? Hast du eine Idee, warum Spank keinen Laufradsatz für 2.000 Euro im Programm hat oder wie man auf die Idee kommt, einen Lenker mit Schaum auszufüllen, um Vibrationen zu verringern? Wir haben Gavin auf dem iXS Truck getroffen und ihm jede Menge spannende Infos entlockt!

Hi Gavin! Cool, dass du für uns Zeit hast. Erklär uns doch bitte direkt mal, warum SPANK keine Carbonprodukte herstellt.
Hi! Gerne mache ich das. Momentan gibt es im Großen und Ganzen sechs Hersteller von Carbonteilen in der Fahrradindustrie. Und zusammen bilden sie ein Konsortium. Wenn man versucht, herauszufinden, wie diese Hersteller ihre Carbon-Fasern herstellen, wird man wundersamer Weise nahezu keine Informationen dazu finden. Was wir aber wissen ist, dass der Prozess bei zwischen 1800 bis 3800 Grad Celsius stattfindet. Die benötigte Energie zur Herstellung des Rohmaterials ist unglaublich hoch. Das Material ist nicht biologisch abbaubar und wird kaum recycled. Es kommen hochgiftige Chemikalien zum Einsatz und bei der Produktion fallen große Mengen Ausschuss-Material an. Und dann ist da noch der kurze Lebenszyklus von Fahrradprodukten: Man muss im Prinzip jedes Jahr etwas Neues rausbringen. Umso weniger Sinn macht es ein Material zu benutzen, dass zumindest zum jetzigen Zeitpunkt quasi nicht recyclebar ist.
Eine andere Sache ist, dass durch den Carboneinsatz das Preisniveau so sehr angehoben wird. Carbon ist nunmal das „coole“ Material. Wenn ein Einsteiger die Preise sieht, schreckt ihn das höchstwahrscheinlich erstmal ab. Wir wollten mit Spank-Produkten immer schon erschwingliches Material anbieten.
Darum haben wir nicht, wie die meisten anderen Firmen, aufgehört, Aluminiumprodukte weiter zu entwickeln. Im Gegenteil, wir haben uns der Tatsache angenommen, dass 95 % des gebrauchten Aluminiums weiter verwendet werden kann und so verwenden wir nur recycletes Aluminium. Wir forschen intensiv, um das Material besser zu härten, bessere Hitzebehandlungsverfahren zu entwickeln und es besser zu formen. Und wir fertigen unsere Produkte selber. Darum können wir all diese Erkenntnisse auch in unsere Produktion einfließen lassen. Die meisten Firmen lassen ihre Produkte in einer Produktionsstätte in Taiwan produzieren. Wir besitzen eine Produktionsstätte in Taiwan. Ich selbst lebe jetzt seit 22 Jahren in Taiwan.Im Prinzip sind die meisten Hersteller nur Monteure. Und sie machen kein „Product-Management“, sondern „Brand-Management“. Tatsächlich sind sich daher auch sehr viele Produkte auf dem Bike-Markt sehr ähnlich. In sofern unterscheiden sich Spank-Produkte schon sehr von vielen anderen. Wie gesagt, wir investieren richtig in die Weiterentwicklung von Aluminium. Ich bin gar nicht komplett gegen Carbon, aber ich bin dagegen, wie es momentan hergestellt und genutzt wird. Carbon sollte dem absoluten Highend-Bereich vorbehalten sein. Dem „Formel 1“ Sektor des Bikesports!

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Kannst du denn mit Aluminium dieselbe Produkt-Performance bieten?
Carbon bietet klar ein paar Vorteile. Du kannst es sehr gut formen und dem Einsatzbereich entsprechend auslegen, indem du die Fasern entsprechend anordnest. Du kannst ganz exakt genau dort mehr Stabilität erzeugen, wo du sie brauchst. Gleichzeitig macht es das aber auch sehr schwer, eine gleichbleibende Qualität zu liefern. Die Verfahren, die bei Aluminium zum Einsatz kommen, sind sehr viel gleichmäßiger. Daher denke ich, dass Carbon im Highend-Bereich durchaus Vorteile bietet. Wenn es aber um Massenproduktion geht, wo auch der Preis eine Rolle spielt, wo Sicherheit und Langlebigkeit gefragt ist, hat Aluminium klar die Nase vorn. Es ist sehr schwierig, die Vorteile von Carbon in der Massenproduktion zuverlässig zu nutzen. Als kleines Beispiel will ich mal unsere Laufräder aufführen. Wir haben mit unserem Commencal-Team regelmäßig einen 600-Dollar-Laufradsatz auf dem Podium. Du kannst locker 3.000 Dollar für einen Laufradsatz ausgeben. Aber ist das wirklich sinnvoll? Und wenn es schon für einen Rennfahrer wenig Sinn macht, wie sieht es für ganz normale Fahrer aus? Und dann kommt auch wieder der Umwelt-Aspekt ins Spiel…
Wir finden es etwas schade, wie viel Energie darin vergeudet wird, Carbon überhaupt für Felgen nutzen zu können. Wir konzentrieren uns lieber darauf unsere bewährten Aluminium-Felgenprofile weiter zu entwickeln und das Laufrad als Gesamtsystem besser zu machen. Es geht ja nicht nur um Steifigkeit. Wenn ich extra ein Procore-System fahren muss, nur um zu verhindern, dass die Felge zerbricht, wenn man einen Platten hat, ergibt das doch auch keinen Sinn. Wir bauen jetzt seit acht Jahren selber unsere Felgen und haben da eine ganze Menge Erfahrungen gesammelt, die wir für bessere Produkte nutzen.

 

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Mit dem Commencal Enduro Team landet Spank regelmäßig auf dem Podium. Foto: Sven Martin


Seit neuestem bietet ihr auch eine Felge mit eurer Vibro-Core-Technologie. Erklär uns doch mal, was dahinter steckt.
Beim Laufradbau gibt es eine Menge zu beachten. Zum Beispiel machen breitere Felgen heutzutage Sinn, weil sie Tubeless-Reifen besseren Halt geben. Steifigkeit ist ein Thema, aber das ist nicht das Wichtigste. Ein gewisser Flex sorgt nämlich dafür, dass sich ein Rad sehr viel komfortabler fahren lässt und vor allem, dass es weniger ermüdend ist. Und genau hier kommt unser Vibro-Core ins Spiel. Das hatten wir ursprünglich u.a. mit Fabien Cousinié entwickelt, der große Probleme mit Armpump hatte. Er sagte damals: „Gavin, wir brauchen einen Carbonlenker!“, woraufhin ich wissen wollte warum. Er war der Meinung, dass ein Carbonlenker Stöße und Vibrationen besser dämpfen würde. Daraufhin begannen wir zu testen. Dabei fanden wir heraus, dass sehr viele niedrigfrequente Vibrationen auf einen Lenker einwirken und wir schauten, welchen Effekt diese auf den Fahrer haben. Dabei kam heraus, dass genau diese Vibrationen für Probleme wie Armpump verantwortlich sind. Zusammen mit SGS, dem führenden Unternehmen für solche Tests, gingen wir der Sache auf den Grund. Wir testeten unterschiedliche Lenker, verschiedene Breiten und unterschiedlichen Rise und verglichen die Ergebnisse auch mit Carbonlenkern, die nur einen minimalen Vorteil boten. Die Lösung konnte also kein Carbonlenker sein, sondern musste woanders liegen. Und die Lösung war relativ offensichtlich: Ein Lenker erzeugt zwangsläufig Vibrationen. Das kann man sich vorstellen, wie eine Trompete. Nur dass die Vibrationen hier gewollt sind, um einen Ton zu erzeugen. Die Idee lag also nahe: Man musste den Zwischenraum füllen und somit die Vibrationen unterbinden. Nun ging es nur noch darum, das beste Material zu finden, das vor allem nicht viel wiegen durfte. Unser Vibro-Core-Schaum war am Ende die Lösung. Und so kann Fabien Cousinié, der damals kurz vorm Aufhören war, immer noch weiterfahren. Ganz abgesehen davon hat Vibro-Core noch einen coolen Nebeneffekt: Durch die Reduzierung der Vibrationen ermüdet das Material weniger und wir können mit Vibro-Core tatsächlich leichtere Lenker produzieren. Auf den Punkt gebracht: Mit Vibro-Core Produkten kannst du länger fahren, es ist besser für die Umwelt und es kostet weniger Geld.

 

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Und warum nun auch in Laufrädern? Entstehen dort etwa dieselben Vibrationen?
Bei den Laufrädern können wir dieselben guten Eigenschaften von Vibro-Core nutzen. Zum einen dämpft der Schaum kleine Schläge und Vibrationen, zum anderen reduziert er ebenfalls die Materialermüdung. Hinzu kommt, dass die Laufräder direkten Kontakt zum Boden haben. Sie sind ungefederte Masse und indem sie selber bessere Dämpfungseigenschaften haben, verbessern sie gleichzeitig die Federung des gesamten Fahrrads. Das ist ein interessanter Zusammenhang, den wir gerade mit dem Commencal Team genauer erforschen. Wir versuchen, die Laufräder und die Federung des Bikes als System zu betrachten. Wir sind da noch ziemlich am Anfang und ich bin mir sicher, dass wir da noch einiges entdecken werden.

Das klingt aber alles schon ganz schön kompliziert...
Das ist es sicherlich auch. Aber Rennen sind ja nunmal so etwas wie die Formel-1 des Mountainbiking. Es fährt ja auch niemand in einem Formel-1-Auto durch die Gegend. Aber in jedem normalen Auto, das du kaufen kannst, steckt Formel-1-Technologie. Genau so ist es beim Biken: Auf diesem Top-Level lernen und verstehen wir viele Dinge, die später in den Serienprodukten landen. Unser Downhill-Worldcup-Laufradsatz zum Beispiel ist exakt derselbe, den du kaufen kannst. Und hier schließt sich wieder der Kreis: Mit Aluminium können wir Top-Material bauen, das sich aber jeder leisten kann. Das macht Spank aus. Und ich bin mir sicher, dass wir diesen Vorteil auch noch in andere Disziplinen übertragen können. Gravel-Bikes sind zum Beispiel ein spannendes Thema.

 

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Auch im Downhill World Cup gibt es jede Menge Fahrer, die auf Spank Vibrocore Produkten unterwegs sind. Hier zum Beispiel Remi Thirion. Foto: Keno Deleryn

Das ist ein guter Punkt. Gerade an solchen Bikes ohne Federungssysteme könnte so etwas wie Vibro-Core ein ziemlicher Vorteil sein, oder nicht?
Absolut. Ich will nicht zu viel verraten, aber bald auf der Eurobike, werden wir ein paar spannende Neuheiten vorstellen. Im Gravel-Bereich sehe ich ein gutes Potential. Viele Mountainbiker interessieren sich für diese Bikegattung und die kennen ja schon unsere Vibro-Core-Technologie. Also eigentlich kann ich es ja nun auch doch verraten: Wir präsentieren auf der Eurobike eine Gravel-Felge und einen Dropbar-Lenker mit Vibro-Core-Technologie. Der Fokus liegt darauf, die Fahrt komfortabler zu gestalten und Vibrationen zu reduzieren. Ich glaube, dass hier der positive Effekt noch größer sein wird, als beim Mountainbiken, einfach weil diese Bikes keine Federung haben. Ich bin schon sehr aufgeregt deswegen. Und natürlich gilt auch hier: Wir wollen den größtmöglichen Vorteil bieten zum kleinstmöglichen Preis, um das Radfahren weiter nach vorn zu bringen. Möglichst viele Menschen sollen Spaß am Radfahren haben!

Da sind wir aber sehr gespannt, was ihr uns auf der Eurobike zeigt! Danke für diese Einblicke, Gavin. Und viel Spaß noch auf dem Festival!

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